Amazons neues Kindle

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Das Online-Kaufhaus Amazon hat seinen lange erwarteten Tablet-Computer vorgestellt: Der Kindle Fire. Mit einem Markteinführungspreis von nur 199 US-Dollar - umgerechnet rund 146 Euro - kostet Amazons kleiner weniger als die Hälfte eines iPads.  Eine Kampfansage an Apple? Unsere Technik-Redaktion hat etwas genauer hingeschaut.

Ein geringer Preis ist immer ein Marktvorteil, jetzt muss nur noch die Leistung stimmen, doch kann der kleine Alleskönner mit den großen mithalten?

Was auf Anhieb auffällt: ein deutlich kleineres Display. Der Kindle Fire hat zwar einen Dual Core Prozessor verfügt allerdings nur über ein durch Gorilla Glas geschütztes 7 Zoll IPS Display. Das Betriebssystem ist Android basierend und sieht nicht nach dem herkömmlichen Android OS aus. Natürlich kommen beim Kindle Fire die zahlreichen Amazon Services zum Einsatz, wie z.B. der Android Appstore, Kindle Books, magazines, usw. Ein weiteres Manko: Der Kindle Fire ist sehr eng mit dem Amazon Cloud Speicher verbunden. Amazon Content Daten können kostenlos in der Cloud gespeichert werden und falls sie benötigt werden, können sie Lokal auf das Tablet gespeichert werden. Der Browser sollte Seiten um einiges schneller laden. Dies geschieht durch Amazon Silk - einem "split browser", welcher gewisse Daten in der Cloud verarbeitet und nicht lokal.

Wo ist hier das Manko? Klingt doch alles bestens, oder?

Nicht ganz. Revolutionär ist die Idee des Cloud-beschleunigten Browsens sicher, vor allem wenn man sich den Gewinn für Amazon ansieht. Denn von Kindle Fire kommt man nicht mehr ins Web, sondern nur mehr in Amazons Eleastic Compute Cloud (Amazon EC2), die die Daten aus dem Web zusammensammelt und an das Tablet weiter vermittelt.

Damit ist der Käufer nun Amazon komplett und vollständig ausgeliefert: Webstore gibt es nur bei Amazon, der Google Market ist nicht erreichbar, Musik, Bücher, Cloud und so weiter – gibt es alles von Amazon. Und willst du über den Webbrowser woanders hin, dann geht das nur wenn Amazon das zulässt.

Es ist noch gut in Erinnerung, dass Amazon Wikileaks von einem Tag auf den anderen aus seinem EC2 Service hinausgeworfen hat. Ein Zugriff auf Wikileaks wäre danach wohl über den Kindle Fire Tablet nicht mehr möglich gewesen.

Was die technischen Möglichkeiten anbelangt, so muss der Kindle-User auf GPS und Kamera verzichten. Statt einer Mobilfunkverbindung bietet der Tablet-Computer nur die Möglichkeit sich über WLAN über das "riesige Angebot an eBooks, Musik, Filmen und Apps" herzumachen.
Aufgrund der genannten Einschränkungen, möchten wir die Prognose "Amazon wird mit dem Kindle Fire Apple als Marktführer ablösen" dann doch bezweifeln, auch wenn der Preis deutlich günstiger ist und Amazon mit dem "Vorgänger" Kindle (Lesegerät für eBooks) einen Markt erobert hat- in den USA verkauft Amazon bereits mehr elektronische Bücher als gedruckte Exemplare.
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Amazon-Chef Jeff Bezos stellt den Kindle Fire vor (Foto: dapd) und preist die Nutzungsmöglichkeiten des neuen Geräts vor der Presse in New York: "100.000 Fernsehserien und Filme, 17 Millionen Songs, Apps von unserm Android App Store, Millionen Bücher, schöne Hochglanz-Zeitschriften."
Weil Apple mit seinem iPad den Tablet-PC-Markt dominiert, verkauften sich Konkurrenz-Tablets in der Vergangenheit schlecht. Zuletzt wurde das TouchPad von Hewlett-Packard nach nur wenigen Wochen wieder vom Markt genommen. Auch das Playbook des Blackberry-Anbieter Research in Motion (RIM) ist ein Ladenhüter. Etwas besser verkaufen sich die vielen Android-Tablets.

Ab 15. November soll der Tablet-Computer in den USA auf den Markt kommen. Wann er in Deutschland verkauft wird, steht noch nicht fest.

 

Amazon Kindle Fire - Technische Daten:

Display - 7 Zoll Multi touch IPS Display with IPS mit 1024 x 600 Pixel mit Anti Reflektierender Schicht

Prozessor - Dual Core CPU (Hersteller unbekannt)

Arbeitsspeicher - 512MB

Größe - 190 mm x 120 mm x 11.4 mm

Gewicht - 413g

Speicher - 8GB und kostenloser Cloud Speicher für Amazon Content

Batterie - bis zu 8h lesen und 7,5h Videowiedergabe (Wlan aus)

Verbindungen - WLAN b/g/n

Anschlüsse - Micro USB Port, Audio Anschluss

unterstütze Format - Kindle (AZW), TXT, PDF, ungeschütztes MOBI, PRC natively, Audible (Audible Enhanced (AA, AAX)), DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP, nicht-DRM AAC, MP3, MIDI, OGG, WAV, MP4, VP8

 

Kommentar:

Die Presseerklärung von Amazon überschlägt sich förmlich die Vorteile für den Kunden zu erläutern: um wie viel schneller es gehe, wenn die Daten in der Compute Cloud aus den verschiedenen Quellen zusammengesammelt werde und dann in einem Stream an das Kindle Fire übermittelt werde. Und Amazon wisse natürlich auch, was die meisten User als nächstes wollen und wenn du das dann anklickst, ist es schon ans Tablet übertragen worden.

Ich weiß nicht, ob ich einem Anbieter die völlige Kontrolle über das, was ich zu sehen bekomme und tun darf, übertragen möchte. Ich weiß auch nicht, ob ich eine komplette Historie von jedem Webzugriff bei einem Provider hinterlassen möchte – ohne die Möglichkeit von In-Private-Browsing oder ähnlichem.

Die Datensammelwut und der Versuch die User in geschlossene Systeme einsperren zu wollen, wird immer ausufernder. Begonnen hat Apple damit, Google ist auch schon recht weit damit gediehen, Facebook setzt gerade an alles innerhalb seiner Mauern passieren zu lassen, den Vogel schießt aber bisher eindeutig Amazon ab. Das wäre sicher auch das perfekte Szenario für China oder andere diktatorisch veranlagte Staaten: Über eine zentrale Stelle hat man Kontrolle darüber, was die Bürger zu sehen bekommen können. Die Sperre von Inhalten ist jederzeit möglich und liegt allein im Ermessen von Amazon.

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