Silberfund im Atlantik vermutet

Einen Silberschatz mit Millionenwert will ein US-Unternehmen aus dem Wrack eines Handelsschiffs vor der irischen Küste bergen. Seit mehr als 70 Jahren liegt die "Gairsoppa" in 4700 Metern Tiefe auf dem Grund. Ein deutsches U-Boot hatte sie im Zweiten Weltkrieg versenkt. Im Frühjahr 2012 solle die Bergung beginnen, teilte die US-Schatzsucherfirma Odyssey Marine Exploration mit.

Am Montag war bekannt geworden, dass in dem Wrack der "Gairsoppa" rund 200 Tonnen Silber im Wert von schätzungsweise bis zu 170 Millionen Euro liegen könnten. Das geht aus alten Dokumenten hervor.

gairsoppa
 

Im Zweiten Weltkrieg versenkt

Die 125 Meter lange "Gairsoppa" befand sich im Februar 1941 mit einer Ladung Silber, Roheisen und Tee auf der Rückfahrt von Indien nach Großbritannien, als sie in einen Sturm geriet. Da der Treibstoff knapp wurde, trennte sie sich von ihrem Konvoi und nahm Kurs auf den irischen Hafen Galway. Auf dem Weg dorthin traf ein deutsches U-Boot-Torpedo das Handelsschiff. Es sank etwa 490 Kilometer vor der irischen Küste. Nur ein Mitglied der 85-köpfigen Mannschaft überlebte.

Die Firma fand das Wrack im Sommer mit Hilfe von Sonartechnik in 4700 Meter Tiefe. Zum Vergleich: Die "Titanic" liegt etwa 4000 Meter tief.

"Einige Leute mögen sich über die potenzielle Komplexität einer Bergung aus solcher Tiefe wundern, aber wir haben bereits eine ausführliche Analyse der besten Werkzeuge und Techniken, um diese Operation auszuführen, unternommen und sind sehr zuversichtlich", sagte Odyssey-Chef Greg Stemm. Seinen Angaben zufolge ist der Laderaum des aufrecht auf dem Meeresboden liegenden Wracks leicht zugänglich - wahrscheinlich lasse sich das Silber einfach durch die Ladeklappen herausholen.

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Roboter hatten Bilder gemacht, auf denen von dem Silberschatz allerdings nichts zu sehen ist. Erkennbar sind Teekisten, die ebenfalls auf der Frachtliste der "Gairsoppa" standen. Da die Teekisten leichter waren, sei das Silber womöglich unter ihnen gelagert worden, hieß es. Auf dem Videomaterial sind außerdem eine Leiter zur Brücke, ein Kompass und auch das Loch zu sehen, das der Torpedo in den Rumpf gerissen hatte.

Sollte der Schatz tatsächlich gefunden werden, wäre es nach Angaben des Unternehmens vom Wert her die "größte bekannte Schiffswrack-Ladung von Silber, die je unter einem Vertrag mit der britischen Regierung" gefunden wurde. Am Montag hatte es zunächst sogar geheißen, der Fund wäre der wertvollste Silberschatz, der jemals im Meer entdeckt wurde.

Firma erhält 80 Prozent des Silberfundes

Anders als bei einem anderen Schiffsfund vor Spanien steht dem US-Unternehmen diesmal wohl kein Streit um die Eigentumsansprüche an dem Schatz bevor. Im Rahmen eines Vertrags mit dem britischen Verkehrsministerium stehen der Firma 80 Prozent des Silberfundes zu, der Rest geht an die britischen Behörden. Das Ministerium bestätigte dies und teilte mit, dass Odyssey nach einer Ausschreibung im Jahr 2010 den Zuschlag bekommen habe. Die im US-Bundesstaat Florida beheimatete Firma ist eines der weltweit führenden Unternehmen bei der Suche nach Schiffswracks.

Odyssey ist mit den spanischen Behörden in einen Rechtsstreit verstrickt, bei dem es um den Fund von Silber- und Goldmünzen im Wert von geschätzt 370 Millionen Euro geht. Die Spezialfirma beansprucht den Schatz aus dem Wrack für sich, Spanien sieht ihn jedoch als Besitz des Landes an. Vor wenigen Tagen hat ein Gericht in Florida, wo Odyssey sitzt, den Schatz Spanien zugesprochen. Die Firma kündigte aber weitere juristische Schritte an.

Vermutlich rund drei Millionen Wracks auf dem Meeresboden

Warum so viel Silber an Bord der "Gairsoppa" war, ist nicht ganz klar. Eine Sprecherin von Odyssey sagte, es könnte sich um Steuerzahlungen aus Indien handeln. Die "Gairsoppa" war seit 1919 im Einsatz und die Tour von und nach Indien regelmäßig gefahren. Sie wurde nach gleichnamigen Wasserfällen im Südwesten Indiens benannt. Der einzige Überlebende des Unglücks war 1992 in Cornwall gestorben.

Nach Schätzungen der UN-Kulturorganisation UNESCO gibt es rund drei Millionen Schiffswracks auf dem Boden der Weltmeere. Darin werden riesige Mengen Kupfer, Silber, Gold und Zink im Wert von mehreren Milliarden Euro vermutet. "Der Großteil des Bodens der Ozeane der Welt ist noch nicht erforscht", sagte Odyssey-Verwaltungsratschef Mark Gordon. "Wir wissen mehr über die Oberfläche des Monds als über die Tiefen des Ozeans."

(Quelle: dpa)

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